Ohrenrausch

Let´s get loud: Music & More

Mark Lanegan singt…andere auch Dezember 3, 2012

Filed under: Lebendig & Tretend — ohrenrausch @ 6:59 pm
Tags: ,

Wir sind im Karlstorbahnhof, Heidelberg. Am Ende einer konzertgefüllten Woche. Heute: Mark Lanegan, einst  Vokalist der Screaming Trees, eine Grunge- Legende, die nie richtig Grunge war.

Doch bevor er loslegt, muss der noch ahnunglose Zuhörer erst viele Hürden meistern. Lyenn, ein in Belgien geborenes Sangestalent,  das dermaßen larmoyant jault, dass man gerne etwas für ihn tun möchte – man weiß nur nicht so recht was; danach Duke Garwood, wie sein Vorsänger ebenfalls ein einsamer Mann mit einsamer Gitarre. Ein wenig folky-bluesy, auch sehr, sehr  traurig, wenn auch ein wenig fetziger. Doch definitiv nicht in der Lage, meinen Lyenn-verursachten Schläfrigkeitsanfall zu durchbrechen. Schließlich Creature with the Atom Brain aus Antwerpen, wohl Kumpels des Headliners (sie bilden auch Lanegans Begleitband). Die Musik indie-artig, zwischendurch leider mit ein paar Instrumental-Solo-Ansätzen gespickt. Nun gut…

Last but not least Mark Lanegan. Seine Stimme ist nach wie vor einzigartig. Hart und zart, rauchig mit einem gewissen Emo-Touch. Klingt immer ein wenig so, als ob er sein morgendliches Schleifpapiermüsli  mit Salzsäure runterspült, zumindest aber mit einer Pulle schottischen Whiskys.  Was wohl zeitweilig gar nicht weit von der Wahrheit entfernt war.

Die Liste seiner Kooperationspartner liest sich wie ein Who’s who der Musikgrößen: Pearl Jams Mike McCready, Dinosaur Jr., Mudhoney, Queens of the Stone Age, mit allen hat er schon gearbeitet. Einige seiner Weggefährten wie Layne Staley von Alice in Chains oder Kurt Cobain gibt es längst nicht mehr. Lanegan hat seine dunklen Zeiten überlebt, doch sie haben ihre Spuren deutlich hörbar hinterlassen.  Lustige Themen sind nicht seins, und er sing gerne mal Blues for a Funeral oder einen Gravedigger’s song. Faszinierend, wie er dabei die Töne mit offensichtlichen  Schmerzen  aus der Kehle presst.  Und schön.